Archiv der Kategorie: Bilderbuchtipps

Berühmtes Quatschgedicht schön illustriert

Wer kennt es nicht, das berühmte Quatschgedicht: „Dunkel war’s, der Mond schien helle, Schnee lag auf der grünen Spur, als ein Wagen blitzeschnelle langsam um die Ecke fuhr.“ Über den einzelnen Wortlaut und die genaue Anzahl der Strophen gibt es zwar immer wieder Diskussionen, aber im großen und ganzen ist diese lustige Lügengeschichte zum allgemeinen Volksgut geworden. Christa Unzner hat sie phantasievoll illustriert und so dem „totgeschossnen Hasen“ und dem „blondgelockten Jüngling mit kohlrabenschwarzem Haar“ und all den anderen wunderlichen Gestalten ein Gesicht gegeben. Während die Protagonisten des Gedichtes im Vordergrund der Bilder stehen, spielen sich im Hintergrund ebenso skurille Szenen ab: Da sitzt ein strickendes Schaf unter einem Forellenbaum, das Kopfsteinpflaster wird wie eine Sardinenbüchse aufgerollt, während ein schwarzer Schneemann grinst und ein Enkelkind schiebt seine Oma im Kinderwagen spazieren.

In dem Pappbilderbuch gibt es faszinierend viele Details zu entdecken, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Einige Bilder sind vielleicht für zart besaitete Kinder etwas verstörend – etwa ein kopfloser Mann am Schreibtisch – jedoch bieten sie gleichzeitig viel Gesprächsstoff und Anlass zum Nachdenken. Schon die Spiegelschrift auf dem Cover reizt zum Nachmachen. Es ist eine wirklich sehr schöne Umsetzung des traditionellen Gedichtes geworden.

„Dunkel war’s, der Mond schien helle“ ist im Leipziger Kinderbuchverlag erschienen.

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Ein Wort mit 16 „e“

 

Am Schneesee, wo der Schneeseeklee wächst, leben das Schneeseekleereh und die Schneeseekleerehfee. Die verdreht sich eines Tages den Drehzeh und geht wegen der Schmerzen zur Heckenhexe mit den Hackenhaxen… Man ahnt, worauf dieses Bilderbuch hinausläuft. Es ist ein liebevoll von Kristina Andres illustriertes Sprachspiel, an dem Kinder ihre Freude haben und Vorleser verzweifeln.

Ein Wort mit 16 „e“ muss man erst einmal erfinden. Franz Fühmann hat das bereits 1978 getan. Seine Geschichte „Am Schneesee“ erschien ursprünglich in seinem Sprachspielbuch „Die dampfenden Hälse der Pferde im Turm von Babel“. Dass sie nun als Bilderbuch neu entdeckt werden kann, ist wohlverdient. Denn die Geschichte ist nicht nur lustig, sie läst auch zum buchstabieren, selber lesen und zuhören ein. Denn spätestens beim Schneeseekleerehfeedrehzehwehteekessel sorgen Verhaspler für Heiterkeit.

„Am Schneesee“ von Franz Fühmann und Kristina Andres ist bei Hinstorff erschienen.

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Verfolgungsjagd durch Bilder

torte.jpgThé Tjong-Khings textlose Bilderbücher über gestohlene oder zerstörte Torten genießen Kultstatus. Mit „Kunst mit Torte“ gesellt sich ein neuer Band hinzu, der noch ein Stück anspruchsvoller ist, als seine Vorgänger. Der Niederländer lässt darin Frau Hund von einer großen Kunstausstellung träumen, auf der auch ein Bild von ihr gezeigt wird: Hund mit Torte. Doch gerade dieses Kunstwerk wird gestohlen. Natürlich macht sich die illustre Gesellschaft sofort daran, den Dieb zu verfolgen. Dieses Mal geht die wilde Jagd jedoch durch verschiedene Kunstwerke – etwa durch Vincent van Goghs Weizenfelder und Salvador Dalis berühmte Wüstenlandschaft, vorbei an den zerfließenden Uhren. In den Bildern gibt es zudem weitere Details zu entdecken, wie Statuen von Auguste Rodin und Henry Moore, ehe der Dieb natürlich gefangen wird und alles zu einem guten Ende kommt.

In diesem Buch konnte sich der talentierte Illustrator Thé Tjong-Khing richtig austoben. Natürlich ist der eigentlich Witz des Buches – eben die vielen Würdigungen der unterschiedlichsten Künstler – für jüngere Kinder kaum verständlich, und für ältere nur mit Erklärung. Doch die Tortenjagd an sich bietet auch den kleinen Betrachtern viel Spaß.

„Kunst mit Torte“ von Thé Tjong-Khing ist im Moritz-Verlag erschienen.

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Kein kindgerechter Klassiker

Am Weihnachtsabend schließt die kleine Marie einen Nussknacker in ihr Herz, den ihr Bruder Fritz ungestüm misshandelt hat. Um Mitternacht wird sie Zeuge, wie dieser Nussknacker eine Armee von Spielzeugsoldaten gegen einen siebenköpfigen Mäusekönig und seine Mäusearmee anführt. Sie hilft dem Nussknacker, indem sie einen Pantoffel in das Getümmel wirft und findet sich kurz darauf in einem Spielzeugland wieder. Der Nussknacker hat sich in einen „feschen jungen Mann“ verwandelt, und gemeinsam erkunden sie das märchenhafte Land.

„Nussknacker und Mausekönig“ ist mit Sicherheit eine der bezauberndsten Weihnachtsgeschichten der deutschsprachigen Literatur. Das Original stammt aus der Feder von E.T.A. Hoffmann. Im Verlag minedition liegt eine Nacherzählung von Renate Raecke vor, die Bilder dazu hat Yana Sedova gestaltet. Die fantastischen, fast traumartigen Bilder sind denn auch für das Buch maßgeblich und lassen es zu einem kleinen Kunstwerk werden. Inhaltlich hingegen ist das Buch etwas enttäuschend. Zu verkürzt ist die Geschichte nacherzählt, als dass sie für Kinder verständlich wäre. Die Sprache ist kaum für kindliche Leser geeignet, die mit Ausdrücken wie „fesch“ wohl wenig anfangen können. Das Ende wirkt wie abgeschnitten, da Marie und der Nussknacker (dessen Rückverwandlung in einen Menschen für Leser ohne Kenntnis des Originals nicht nachvollziehbar ist) schlicht und einfach im Märchenland verbleiben. Fazit: Optisch ist das Bilderbuch durchaus ansprechend, aber es handelt sich keinesfalls um eine kindgerechte Version des Klassikers.

 

Nussknacker und Mausekönig“ von Renate Raecke ist bei minedition erschienen.

 

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Party in Geburtstanien

Eddi Eichhorn ist Musikreporter und der Nachbar von See-Pferd und Meer-Schwein. Bei denen kommt eines Tages ein sehr trauriges, rumpelndes und quietschendes Geburtstagsdings über die Wiese gelaufen. Es erklärt den Freunden, dass es aus dem Land Geburtstanien kommt, wo jeder jeden Tag Geburtstag hat. Weil es aber nur ein Geburtstagslied spielen kann – „Happy Birthday“ nämlich – wurde das dem König Celebratus dem Allerältesten zu langweilig. Darüber wurde das Geburtstagsdings so traurig, dass es weinend das Land verließ. Und durch seine Tränen sind nun auch noch seine Instrumente völlig verrostet. Zumindest dabei können Eddi, Meer-Schwein und See-Pferd helfen: Sie putzen die Instrumente sauber und „Happy Birthday“ klingt wieder schön.

Doch auch ihnen wird das Lied bald langweilig. Nun weiß das Krokodil Rat. Es hat bei seinem Großonkel SingSong in Asien bereits andere Musikdingser gesehen und weiß, dass man neue Lieder auf Papierrollen notieren und dem Musikdings unter den Hut stecken muss. Also suchen die Freunde viele verschiedene Geburtstagslieder: „Viel Glück und viel Segen“, „Bon Anniversaire“, „Am Fenster heute Morgen“ und noch einige andere werden aufgeschrieben und unter den Hut gesteckt. Nun kann das Geburtstagsdings ganz viele Lieder spielen. Und als König Celebratus der Allerälteste mit seinem Hubschrauber kommt und alle nach Geburtstanien einlädt, steht einem rauschenden Fest nichts mehr im Weg.

Die Geschichte ist, gelinde gesagt, verrückt. Und deswegen kommt sie bei Kindern super an. Die gelungenen, bunten und wimmeligen Illustrationen, zu denen auch Sprechblasen gehören, tragen ihren Teil dazu bei, dass die Geschichte mehr als ein Mal vorgelesen werden muss. Außerdem gehört eine CD zum Buch, auf der die Geburtstagslieder – die sich hinten auch mit Text und Noten finden – witzig dargeboten enthalten sind. Klare Lesempfehlung, und das nicht nur am Geburtstag.

 „Eddi Eichhorn und das unglaubliche Geburtstagsdings“ von Franziska Biemann und Nils Kacirek ist im Carlsen-Verlag erschienen.

 

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Märchenhafter Klassiker

Wenn es um Klassik für Kinder geht, ist Marko Simsa der Richtige. Im Jumbo-Verlag hat er bereits mehreren „klingenden Kinderbüchern“ seine unverwechselbare Stimme für die beiliegende CD geliehen, ebenso wie Silke Brix für die Optik verantwortlich ist. Nach der Oper von Engelbert Humperdinck erzählt er hier die Geschichte von Hänsel und Gretel. Dabei macht der Rahmen deutlich, dass es sich um eine Inszenierung  handelt, denn es wird beschrieben, dass sich der Vorhang hebt und das Publikum applaudiert. Während der eigentlichen Geschichte lässt Simsa die kleinen Zuhörer und Leser aber ganz tief in das Märchen eintauchen. Die bekannten Melodien der Oper – zum Beispiel „Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh“ oder „Ein Männlein steht im Walde“ verzaubern dabei ebenso wie die Stücke, die nur Kennern von Humperdincks Werk bekannt sind.

Die „klingenden Kinderbücher“ aus dem Jumbo-Verlag sind immer wieder eine Bereicherung für diejenigen, die etwas Kultur ins Kinderzimmer einziehen lassen wollen: Einfühlsam und kindgerecht bringt Marko Simsa nicht nur die Märchenoper dem jungen Publikum näher, sondern auch das „Drumherum“, das zu einem Besuch im Opernhaus gehört. Die schönen Illustrationen ergänzen das Gesamtpaket perfekt.

„Hänsel und Gretel. Nach der Oper von Engelbert Humperdinck“ ist im Jumbo-Verlag erschienen.

 

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Kleine rote Männchen

Es ist Nacht im Donnerwald. Nur Räuberhauptmann Donnerpups und der strohblonde Robin sehen die Sternschnuppe, die plötzlich immer näher kommt und schließlich krachend in den Wald stürzt. Schnell sind auch die anderen Räuber aufgeweckt, und alle begutachten das abgestürzte UFO und die drei kleinen roten Männchen. Donnerpups erklärt die Außerirdischen ratz-fatz zu Gefangenen und lässt Robin eine Schubkarre holen, um das Ufo abzutransportieren. Doch die roten Männchen setzen sich zur Wehr und schrumpfen die Bande von Donnerpups  kurzerhand zu Mini-Räubern zusammen. Sie wollen sie mit auf ihren Planeten nehmen und dort im Museum ausstellen. Zum Glück gibt es da noch Robin, der für die Rettung sorgt und den Räuberhauptmann dazu bringt, seinen Donnerpups loszulassen.

Die Fortsetzung von „Der wilde Räuber Donnerpups“ ist fast genau so gut wie der erste Teil, wobei sie natürlich durch das UFO einen fantastischen Teil enthält.  Besonders toll für die kleinen Leser ist, dass ausgerechnet Robin, das Kind in der Räuberbande, die Rettung vor den Außerirdischen bringt. Die Illustrationen und Texte von Walko sind frech und gelungen, und mancher kleine Räuber flucht schon bald voller Freude „Himmel, Arm und Zwirn!“

Der wilde Räuber Donnerpups. Überfall aus dem All“ von Walko ist bei Coppenrath erschienen.

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