Archiv der Kategorie: Bilderbuchtipps

Kein kindgerechter Klassiker

Am Weihnachtsabend schließt die kleine Marie einen Nussknacker in ihr Herz, den ihr Bruder Fritz ungestüm misshandelt hat. Um Mitternacht wird sie Zeuge, wie dieser Nussknacker eine Armee von Spielzeugsoldaten gegen einen siebenköpfigen Mäusekönig und seine Mäusearmee anführt. Sie hilft dem Nussknacker, indem sie einen Pantoffel in das Getümmel wirft und findet sich kurz darauf in einem Spielzeugland wieder. Der Nussknacker hat sich in einen „feschen jungen Mann“ verwandelt, und gemeinsam erkunden sie das märchenhafte Land.

„Nussknacker und Mausekönig“ ist mit Sicherheit eine der bezauberndsten Weihnachtsgeschichten der deutschsprachigen Literatur. Das Original stammt aus der Feder von E.T.A. Hoffmann. Im Verlag minedition liegt eine Nacherzählung von Renate Raecke vor, die Bilder dazu hat Yana Sedova gestaltet. Die fantastischen, fast traumartigen Bilder sind denn auch für das Buch maßgeblich und lassen es zu einem kleinen Kunstwerk werden. Inhaltlich hingegen ist das Buch etwas enttäuschend. Zu verkürzt ist die Geschichte nacherzählt, als dass sie für Kinder verständlich wäre. Die Sprache ist kaum für kindliche Leser geeignet, die mit Ausdrücken wie „fesch“ wohl wenig anfangen können. Das Ende wirkt wie abgeschnitten, da Marie und der Nussknacker (dessen Rückverwandlung in einen Menschen für Leser ohne Kenntnis des Originals nicht nachvollziehbar ist) schlicht und einfach im Märchenland verbleiben. Fazit: Optisch ist das Bilderbuch durchaus ansprechend, aber es handelt sich keinesfalls um eine kindgerechte Version des Klassikers.

 

Nussknacker und Mausekönig“ von Renate Raecke ist bei minedition erschienen.

 

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Party in Geburtstanien

Eddi Eichhorn ist Musikreporter und der Nachbar von See-Pferd und Meer-Schwein. Bei denen kommt eines Tages ein sehr trauriges, rumpelndes und quietschendes Geburtstagsdings über die Wiese gelaufen. Es erklärt den Freunden, dass es aus dem Land Geburtstanien kommt, wo jeder jeden Tag Geburtstag hat. Weil es aber nur ein Geburtstagslied spielen kann – „Happy Birthday“ nämlich – wurde das dem König Celebratus dem Allerältesten zu langweilig. Darüber wurde das Geburtstagsdings so traurig, dass es weinend das Land verließ. Und durch seine Tränen sind nun auch noch seine Instrumente völlig verrostet. Zumindest dabei können Eddi, Meer-Schwein und See-Pferd helfen: Sie putzen die Instrumente sauber und „Happy Birthday“ klingt wieder schön.

Doch auch ihnen wird das Lied bald langweilig. Nun weiß das Krokodil Rat. Es hat bei seinem Großonkel SingSong in Asien bereits andere Musikdingser gesehen und weiß, dass man neue Lieder auf Papierrollen notieren und dem Musikdings unter den Hut stecken muss. Also suchen die Freunde viele verschiedene Geburtstagslieder: „Viel Glück und viel Segen“, „Bon Anniversaire“, „Am Fenster heute Morgen“ und noch einige andere werden aufgeschrieben und unter den Hut gesteckt. Nun kann das Geburtstagsdings ganz viele Lieder spielen. Und als König Celebratus der Allerälteste mit seinem Hubschrauber kommt und alle nach Geburtstanien einlädt, steht einem rauschenden Fest nichts mehr im Weg.

Die Geschichte ist, gelinde gesagt, verrückt. Und deswegen kommt sie bei Kindern super an. Die gelungenen, bunten und wimmeligen Illustrationen, zu denen auch Sprechblasen gehören, tragen ihren Teil dazu bei, dass die Geschichte mehr als ein Mal vorgelesen werden muss. Außerdem gehört eine CD zum Buch, auf der die Geburtstagslieder – die sich hinten auch mit Text und Noten finden – witzig dargeboten enthalten sind. Klare Lesempfehlung, und das nicht nur am Geburtstag.

 „Eddi Eichhorn und das unglaubliche Geburtstagsdings“ von Franziska Biemann und Nils Kacirek ist im Carlsen-Verlag erschienen.

 

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Märchenhafter Klassiker

Wenn es um Klassik für Kinder geht, ist Marko Simsa der Richtige. Im Jumbo-Verlag hat er bereits mehreren „klingenden Kinderbüchern“ seine unverwechselbare Stimme für die beiliegende CD geliehen, ebenso wie Silke Brix für die Optik verantwortlich ist. Nach der Oper von Engelbert Humperdinck erzählt er hier die Geschichte von Hänsel und Gretel. Dabei macht der Rahmen deutlich, dass es sich um eine Inszenierung  handelt, denn es wird beschrieben, dass sich der Vorhang hebt und das Publikum applaudiert. Während der eigentlichen Geschichte lässt Simsa die kleinen Zuhörer und Leser aber ganz tief in das Märchen eintauchen. Die bekannten Melodien der Oper – zum Beispiel „Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh“ oder „Ein Männlein steht im Walde“ verzaubern dabei ebenso wie die Stücke, die nur Kennern von Humperdincks Werk bekannt sind.

Die „klingenden Kinderbücher“ aus dem Jumbo-Verlag sind immer wieder eine Bereicherung für diejenigen, die etwas Kultur ins Kinderzimmer einziehen lassen wollen: Einfühlsam und kindgerecht bringt Marko Simsa nicht nur die Märchenoper dem jungen Publikum näher, sondern auch das „Drumherum“, das zu einem Besuch im Opernhaus gehört. Die schönen Illustrationen ergänzen das Gesamtpaket perfekt.

„Hänsel und Gretel. Nach der Oper von Engelbert Humperdinck“ ist im Jumbo-Verlag erschienen.

 

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Kleine rote Männchen

Es ist Nacht im Donnerwald. Nur Räuberhauptmann Donnerpups und der strohblonde Robin sehen die Sternschnuppe, die plötzlich immer näher kommt und schließlich krachend in den Wald stürzt. Schnell sind auch die anderen Räuber aufgeweckt, und alle begutachten das abgestürzte UFO und die drei kleinen roten Männchen. Donnerpups erklärt die Außerirdischen ratz-fatz zu Gefangenen und lässt Robin eine Schubkarre holen, um das Ufo abzutransportieren. Doch die roten Männchen setzen sich zur Wehr und schrumpfen die Bande von Donnerpups  kurzerhand zu Mini-Räubern zusammen. Sie wollen sie mit auf ihren Planeten nehmen und dort im Museum ausstellen. Zum Glück gibt es da noch Robin, der für die Rettung sorgt und den Räuberhauptmann dazu bringt, seinen Donnerpups loszulassen.

Die Fortsetzung von „Der wilde Räuber Donnerpups“ ist fast genau so gut wie der erste Teil, wobei sie natürlich durch das UFO einen fantastischen Teil enthält.  Besonders toll für die kleinen Leser ist, dass ausgerechnet Robin, das Kind in der Räuberbande, die Rettung vor den Außerirdischen bringt. Die Illustrationen und Texte von Walko sind frech und gelungen, und mancher kleine Räuber flucht schon bald voller Freude „Himmel, Arm und Zwirn!“

Der wilde Räuber Donnerpups. Überfall aus dem All“ von Walko ist bei Coppenrath erschienen.

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Altes und Neues Testament entdecken

 

Ein ungewöhnliches Wimmelbuch von Antonie Schneider und Melanie Brockamp erzählt vom Anfang der Welt bis zum Osterwunder. In einem großen Wimmelbuch finden kleine Entdecker Erzählungen aus der Bibel. Dabei sind immer mehrere biblische Geschichten auf einer detailliert gestalteten Seite zu sehen: auf der ersten Seite zum Beispiel die Schöpfung, die Arche Noah und der Turmbau zu Babel. Die rechte Seite ist dabei aufklappbar, dort finden sich die jeweiligen Geschichten in einer kurzen Erzählung. Weitere bunte Seiten, auf denen es viel zu entdecken gibt, schildern die Geschichten von Josef, von Mose, von  David, Daniel und Jona und, auf zwei Seiten, die Geschichte von Jesus.

 

Für kleine Christen gibt es in dem großformatigen Pappbilderbuch jede Menge zu entdecken, und es ist etwas anderes als eine „gewöhnliche“ Kinderbibel. Spielerisch können die Kinder hier die Bibel erkunden und anhand der leicht verständlichen Texte die Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament kennen lernen. Es bleibt genug Raum für Nachfragen und zum Immer-Wieder-Neu-Entdecken.

 

„Mein großes Bibel-Wimmelbuch“ von Antonie Schneider und Melanie Brockamp ist bei Coppenrath erschienen.

 

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„Nein, tein Heia“ von Stephanie Blake

Simon und sein  kleiner Bruder Franz bauen im Wald eine Hütte. Dummerweise vergisst Franz dort sein Schmusetuch, was ihm aber erst auffällt, als es ans Schlafen gehen kann. „Tein Musetuch? Dann tein Heia!“, brüllt Franz. Und als guter großer Bruder bleibt Simon nur eins: Er muss los und das Schmusetuch holen. Er schnappt sich seinen Umhang und geht in die Nacht hinaus – als Supertopmegahase hat man nämlich vor gar nichts Angst. Auch nicht vor Monstern, die in der Dunkelheit lauern. Aber wenn es die nicht gäbe, hätte Simon seinem kleinen Bruder auch gar nichts zu erzählen, als er zurückkommt.

Nach „Pipikack“, „Ich will Nudeln“, „Simon Superhase“ und „Babyfratz“ liefert Stephanie Blake mit „Nein, tein Heia“ eine neue lustige Simon-Geschichte ab. Diese lebt dieses Mal vor allem von den niedlichen Aussprüchen des „Babyfratz“ Franz – gelungen übersetzt von Tobias Scheffel. Wenn Franz seinem „Musetuch indähüttaä“ nachweint, finden das ältere Geschwisterkinder zum Brüllen komisch – und wollen natürlich genau so tapfer sein wie Simon. Eine schöne Geschichte für große Brüder und Schwestern und alle, die auch öfter mal „tein Heia“ machen wollen.

„Nein, tein Heia“ von Stephanie Blake ist im Moritz-Verlag erschienen.

 

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„Wo ist Nils der Eisbär?“ von Nicolas Piroux

In einem französischen Museum, dem Musée d’Orsay steht eine Skulptur mit dem Titel „Eisbär“ des Bildhauers Francois Pompon. Diesem Eisbär, der im Buch den Namen Nils hat, wird manchmal langweilig, und dann wandert er durch das Museum und versteckt sich in den anderen Kunstwerken. In diesem ungewöhnlichen Bilderbuch sollen die Leser Nils in berühmten Gemälden und Skulpturen suchen und finden: Einmal lugt er zum Beispiel in Vincent Van Goghs „Mittagsrast“ hinter einem Heuballen hervor, ein anderes Mal hat er sich in Edgar Degas „Tanzunterricht“ unter die Ballerinas geschlichen oder betrachtet sich Gustav Klimts „Rosen unter Bäumen“. Manchmal ist Nils ganz einfach zu entdecken, dann muss man ganz genau hinschauen, um den Eisbär zu sehen.

Kinder für Kunst zu begeistern ist gar nicht so schwer, wie es klingt. Man muss ihnen nur Zugang dazu geben. Das Such-Buch von Nicolas Piroux tut dies auf spielerische Weise: Indem die Kinder versuchen, den Eisbär in den Kunstwerken zu entdecken, beschäftigen sie sich außerdem mit den Gemälden und Skulpturen, stellen Fragen und forschen nach. Eine schöne Idee. Noch schöner wäre gewesen, wenn sich nicht nur zu Francois Pompon und seiner Arbeit sondern auch zu den „Verstecken“ von Nils ein paar Infos (mehr als Name, Künstler und Entstehungsjahr) im Buch finden ließen, um den kindlichen Wissensdurst direkt zu befriedigen.

„Wo ist Nils der Eisbär?“ von Nicolas Piroux ist im Verlag Belser erschienen.

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