Archiv der Kategorie: Kinderbücher

Blick in einen Mikrokosmos

Der Ameisenjunge Ferdinand hat zunächst Pech: Er verirrt sich und finden seinen Ameisenhaufen nicht wieder. Doch dann trifft er auf eine junge Ameisenmutter und hilft ihr, einen neuen Ameisenhaufen zu begründen. Das ist gar nicht so leicht, denn in der Nähe befinden sich Sklavenhändler, die die Eier stehlen wollen. Aber Ferdinand beschützt die Larven, aus denen schließlich Soldaten, Arbeiter, Ammen und all jene Ameisen werden, die zu einem richtigen Ameisenhaufen gehören. Dennoch bleibt die Bedrohung durch die benachbarten Sklavenhändler bestehen, und Ferdinand und seine Freunde müssen sich immer wieder etwas einfallen lassen, um sich zu wehren.

Wer sich für dieses Buch interessiert, sollte zunächst wissen, dass es sich um einen Klassiker von Ondřej Sekora handelt, dessen Bücher über die Ameise Ferdinand in Tschechien jedes Kind kennt. Die Erstauflage erschien bereits 1933. Vor diesem Hintergrund bekommen die Geschichten von den fleißigen Ameisen und den gierigen Sklavenhändlern in der Nachbarschaft natürlich eine ganz andere Lesart. Doch die interessiert Kinder natürlich nicht. Für sie stellt die Geschichte um Ferdinand einen fantasievollen Blick in einen Mikrokosmos im Garten dar. Dazu tragen auch die reichhaltigen, leider nicht immer farbigen Illustrationen bei, in denen es allerlei zu entdecken gibt.

„Die tapferen Ameisen“ von Ondrej Sekora ist im Leipziger Kinderbuchverlag erschienen.

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Geschichten von Kindern für Kinder

Eine achtzig Jahre alte Eintagsfliege. Ein trauriges Ohr. Ein schlecht gelauntes Grumpfidumpfi. Das sind nur einige der Protagonisten aus der Sammlung „Der Pinguin mit der Filtertüte“. All die komischen Geschichten darin sind von Kindern für Kinder geschrieben worden, entstanden in Schreibwerkstätten von Drittklässlern. Andreas Röckener hat sie gesammelt und veröffentlicht. Diie kurzen, unterhaltsamen Texte sprühen vor Fantasie. Da geht es zum Beispiel um den kleinen Pinguin, der mit einer Filtertüte auf dem Kopf um die ganze Welt reist, oder um ein  Faultier, das Lesen lernen soll. Wer sich schon immer gefragt hat, wie viel Beine die Kinder von einem Käfer und einer Spinne haben, findet hier eine Antwort. Ebenso wird die Frage geklärt, wie eine Begegnung zwischen King Kong und einem T-Rex verläuft – vor allem, wenn James Bond auch noch dabei mitmischt.

Der Untertitel des Buches lautet „und andere komische Geschichten“. Dies ist etwas verwirrend, denn nicht alle Geschichten sind komisch im Sinne von lustig. Es sind auch nachdenkliche darunter, ebenso wie traurige oder skurille. Eines sind sie aber alle: lesenswert.

„Der Pinguin mit der Filtertüte“ ist im Verlag Razamba erschienen.

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Körpertausch im Zoo

Der Bär im Zoo frisst und schläft. Sonst macht er nichts. Kann er ja auch nicht, denn er sitzt in seinem Käfig fest. Die Krähe hingegen frisst, was übrig bleibt, und geht wohin sie will. Doch was nutzt die Freiheit, wenn man immer betteln muss? Beide sind unzufrieden mit ihrem Leben. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – freunden sich die beiden an.

Krähe und Bär – das sind ungleiche Gesellen, und am Anfang gibt es viel Streit. Doch heimlich freut sich der Bär darauf, dass die Krähe wiederkommt. Und das tut sie, Tag für Tag. Und sie bringt Dinge mit –Farbe für ein Fenster, oder eine Bürste für das Bärenfell. Sie hat viele Einfälle, um traurige Bären aufzuheitern. Und eines Tages bringt sie magische Medizin von der Schlange mit, mit der man die Körper tauschen kann. Und damit fängt das Abenteuer erst an.

Martin Baltscheit schreibt zauberhafte Theaterstücke für Kinder und ebenso zauberhafte Kinderbücher. „Krähe und Bär“ ist wieder einmal ein Beispiel dafür. Die Geschichte bringt zum Lachen und berührt, fasziniert kleine Leser und große Mitleser. Und sie bringt zum Nachdenken: Was ist mehr wert: Freiheit oder Sicherheit? Am meisten zählt am Ende doch die ungewöhnliche Liebe zwischen einen Krähe und einem Bären.

 

„Krähe und Bär“ von Martin Baltscheit ist bei Dressler erschienen.

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„Das Dschungelbuch“ von Rudyard Kipling

Vater Wolf findet unter einem Strauch ein kleines, rosiges Tier: ein Menschenjunges. Er bringt ihn in seine Höhle, wo Mutter Wolf beschließt, ihn gemeinsam mit ihren Welpen groß zu ziehen. Sie verteidigen ihn gegen den bösen Tiger Schir Khan, der den kleinen Jungen als Beute für sich beansprucht – und auch gegen die anderen Wölfe, die den Menschen zunächst nicht als einen der ihren akzeptieren wollen. Der Bär Balu und die Pantherin Baghira sprechen jedoch für ihn, und so darf der Junge, der fortan Mogli (Kleiner Frosch) genannt wird, bei den Wölfen bleiben. Von seinen Beschützern Balu und Baghira lernt er die Gesetze des Dschungels. Als der Anführer der Wölfe, Akela, jedoch älter wird und ihn nicht mehr beschützen kann, wird Mogli von dem Rudel verstoßen. Er kehrt zu den Menschen zurück, doch dort wird er auch nicht glücklich und muss sich schließlich dem Gesetz des Dschungels stellen.

 

Xavier Deutschs Neubearbeitung des englischen Klassikers von Rudyard Kipling (aus dem Französischen übersetzt von Ursula Held) ist nicht mit der Disney-Version des Stoffes zu vergleichen. Dafür ist der Tonfall zu ernst, die Geschichte mehr Entwicklungsgeschichte als Komödie. Genau wie Disney behandelt Grébans aber nur die ersten drei Kapitel des Original Dschungelbuchs – jene, die sich um Mogli drehen. Er endet jedoch nicht mit Moglis Rückkehr zu den Menschen, sonder erzählt zumindest die Geschichte des Menschenjungen bis zum Schluss, eben bis er wieder in den Dschungel zurückkehrt und den intriganten und neidischen Menschen den Rücken zukehrt. Kein leichter Stoff für Kinder, deswegen ist das Buch auch eher für ältere Schulkinder geeignet, die bereits sehr gut lesen können. Etwas rätselhaft bleibt, warum der im Original männliche Panther Baghira hier zu einem weiblichen Tier wird – wahrscheinlich ist dies der Übersetzung geschuldet.

Sehr gelungen sind die Illustrationen von Quentin Gréban, der sich zwar an den Disney-Motiven orientiert (wie vor allem an Mogli deutlich wird) aber bei den Zeichnungen einen ganz eigenen Charme entwickelt.

 

Das Dschungelbuch“ von Rudyard Kipling ist im KERLE-Verlag erschienen.

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Das sind deine Rechte!

Passend zum Jubiläum der Kinderrechte in Deutschland am 5. April erscheint im Beltz-Verlag das Sachbuch „Das sind deine Rechte!“. Kindgerecht und informativ geht es darin um etwas, das laut einer Studie nur 16 Prozent der deutschen Kinder wirklich gut kennen: die für sie geltenden „Spielregeln“, an die sich alle halten müssen. 26 Mädchen und Jungen erzählen, warum ihnen ihre Rechte wichtig sind, was sie erlebt haben und worauf sie besonderen Wert legen. Dabei kommen ganz unterschiedliche Kinder zu Wort: der 14-jährige Kahlid zum Beispiel, der aus Syrien geflohen ist, die neunjährige Frieda, deren Eltern sich getrennt haben und der siebenjährige Jonathan, der das Down-Syndrom hat. Sie alle berichten von Alltäglichkeiten und Ungewöhnlichem, stellen Fragen und geben selbst Antworten.

Beim Antworten unterstützen außerdem erwachsene Experten, wie etwa die Familienministerin Manuela Schwesig.

Zu jedem der Kapitel, die sich mit den einzelnen Rechten befassen, gibt es Mitmach-Seiten, auf denen die Leser ihre eigene Situation überprüfen können. So gibt es zum Beispiel einen Mitrede-Check für Familie und die Schule, ein Kinderrechte-Barometer und einen Stufenplan, um sein eigener Held zu werden.

Besonders gelungen ist die grafische Umsetzung des Buches: Die Kinder sind in großen Schwarz-Weiß-Bildern zu sehen und eignen sich als Identifikationsfiguren. Bunte Texte und Sprechblasen geben die Geschichten und Hinweise wieder. Als Illustrationen dienen thematisch passende Kinderzeichnungen.

Kleine Figuren helfen, prozentuale Angaben zu verstehen. Dazu gibt es praktische Beispiele: „Stell dir ein Dorf mit zehn Kindern vor: Neun Kinder arbeiten nicht. Ein Kind schleppt Steine.“ Eine Tabelle gibt einen Überblick über das, was Kinder verschiedener Altersgruppen bereits dürfen, zum Beispiel ab sieben Jahren Pizza bestellen, ab 13 Jahren jobben oder ab 16 Jahren allein im Restaurant essen. Am Ende gibt es ein Glossar mit wichtigen Worten von A bis Z.

Eigentlich ist dieses Buch ein Muss – nicht nur für Kinder, die an ihren Rechten interessiert sind, sondern vielleicht gerade für diejenigen, die mit diesem Stichwort erst einmal nichts anzufangen wissen. Schon junge Leser finden dank der übersichtlichen Gestaltung schnelle Antworten auf ihre Fragen. Und für die Älteren, die es ganz genau wissen sollen, gibt es jede Menge Hintergrundinfos. Auch für die Eltern.

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„Die höchst wundersame Reise zum Ende der Welt“

reisezumendederweltEin Helmsley zu sein, ist nicht einfach – das lernt Archer ziemlich schnell. Seine Großeltern sind berühmte Forscher und ständig unterwegs. Kennengelernt hat er sie noch nie persönlich – stattdessen bekommt er Briefe und Päckchen, und das Haus seiner Großeltern, in dem Archer mit seinen Eltern lebt, steckt ebenfalls voller Zauber und Wunder, die an die Großeltern erinnern. Archer will auch ein Abenteuer erleben, doch seine Mutter hält nicht viel davon. Als die Nachricht um die Welt geht, dass Archers Großeltern bei einer Antarktis-Expedition verschollen sind, scheint das Leben für Archer noch trister zu werden. Seine Mutter lässt ihn nun gar nicht mehr das Haus verlassen, außer um zur Schule zu gehen. Dort ist es dank der bösartigen Lehrerin Mrs Murkley auch nicht gerade angenehm. Zu Archers Glück findet er Freunde: den ängstlichen Oliver und Adélaide, die bei einem Kampf gegen Krokodile ein Bein verloren hat. Gemeinsam mit den beiden entwickelt Archer Helmsley einen tollkühnen Plan, um seine Großeltern bei einer Reise zum Ende der Welt aufzuspüren und sie zurückzuholen.

 

Nicholas Gannons Debütroman wartet mit einem Trio ungewöhnlicher Protagonisten auf: Weder der etwas verschrobene Archer, noch Oliver, der wenn er es eilig hat mit geschlossenen Augen rennt, oder Adélaide, die, wenn es um ihr Holzbein geht, zu Lügengeschichten greift, sind typische Helden. Genau das macht sie sehr liebenswert, und der Leser fiebert mit ihnen der großen Reise entgegen und ahnt doch gleichzeitig, dass ihr Plan niemals funktionieren kann. Der Roman wartet mit zahlreichen Geheimnissen auf und bleibt bis zum Schluss spannend. Schade, dass nicht alles aufgelöst und stattdessen auf eine Fortsetzung im Jahr 2017 verwiesen wird. Andererseits ist die Aussicht auf weitere Abenteuer mit Archer Helsmles auch nicht schlecht.

 

„Die höchst wundersame Reise zum Ende der Welt“ von Nicholas Gannon ist bei Coppenrath erschienen.

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Kleiner König Kalle Wirsch

Der Kerle-Verlag hat den Kinderbuchklassiker „Kleiner König Kalle Wirsch“ neu aufgelegt. Die Geschichte ist vor allem durch die Adaption als Puppentheater der Augsburger Puppenkiste bekannt geworden: Kalle Wirsch ist der König der Erdmännchen und herrscht über die fünf Völker der Wirsche, Wolde, Gilche, Trumpe und Murke. Sein Konkurrent Zoppo Trump, der Anführer der Trumpe, fordert ihn zum Zweikampf heraus um selbst König zu werden. Zoppo Trump spielt jedoch falsch und versucht zusammen mit einigen Verbündeten, Kalle Wirsch auf der Reise zum bestimmten in der Wiwogitrumu-Burg aufzuhalten, um ohne den Kampf König zu werden. Die Verschwörer entführen an die Erdoberfläche. Dort lernt er die Kinder Jenny und Max kennen und schrumpft sie mit Hilfe einer magischen Wurzel – so können sie ihn unter die Erde begleiten und ihm helfen. Damit ist die Reise noch lange nicht zu Ende, denn Kalle Wirsch, Jenny und Max müssen manches Rätsel lösen, bis sie die Erdmännchenfestung erreichen. Und dann steht ja noch der Kampf gegen Zoppo Trump an.

kalle-wirsch Tilde Michels schrieb die Geschichte 1969, und trotzdem ist sie immer noch aktuell. Nicht nur, weil der Kampf um die Macht ein Dauerthema ist (und der Herausforderer von Kalle Wirsch zufällig Trump heißt), sondern weil die Autorin mit ihren Beschreibungen der unterirdischen Welt der Erdmännchen die Leser auf eine spannende mReise mitnimmt, an die nicht viele der derzeitigen fantastischen Autoren heranreichen. Die Illustrationen von Annette Swoboda fügen sich harmonisch in den Klassiker ein.

„Kleiner König Kalle Wirsch“ von Tilde Michels ist bei Kerle im Herder-Verlag erschienen.

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